
Warum Schweizer Unternehmen nicht um Mehrsprachigkeit herumkommen
Die Schweiz hat vier Landessprachen – drei davon sind für Videoproduktionen relevant. Unternehmen, die in der Deutsch- und Westschweiz tätig sind, können nicht einfach eine deutsche Version drehen und hoffen, dass sie überall funktioniert. Nicht nur aus rechtlichen Gründen (Werberichtlinien unterscheiden sich teilweise), sondern auch aus Gründen der Authentizität und Reichweite: Eine französische Zielgruppe nimmt Inhalte besser auf, wenn sie in ihrer Sprache produziert sind.
Die gute Nachricht: Mit kluger Planung entsteht dabei nicht dreimal so viel Aufwand. Eine intelligente Produktionsstrategie bedeutet: ein Drehplan, eine Crew, mehrsprachige Outputs.
Die vier Schlüsselphasen einer mehrsprachigen Produktion
1. Skriptentwicklung und Lokalisierung von Anfang an
Alles beginnt mit dem Skript. Viele Unternehmen machen den Fehler, erst das deutsche Skript zu schreiben und dann übersetzen zu lassen. Das funktioniert nicht optimal – Übersetzungen klingen oft unnatürlich und entsprechen nicht dem kulturellen Kontext des Zielmarkts.
Besser: Arbeiten Sie mit Autoren, die beide Sprachen fliessend sprechen. Das Skript sollte von Anfang an für mehrsprachige Aufnahmen konzipiert sein. Das bedeutet:
- Sätze, die sprachlich flexibel sind und in allen Sprachen gleich lang klingen
- Kulturell neutrale Beispiele oder lokal angepasste Referenzen
- Klare Struktur, damit Schnitte und Pausen in allen Versionen funktionieren
2. Die Wahl zwischen Doppelbesetzung und Split-Shooting
Bei der Drehplanung gibt es zwei Strategien:
- Doppelbesetzung: Sie buchen Schauspieler oder Sprecher für beide Sprachen und drehen beide Versionen parallel. Das spart Drehtage, erfordert aber mehr Koordination. Ideal für Brand Videos mit Testimonials oder Moderatoren.
- Split-Shooting: Sie drehen alle Szenen stumm oder mit Originalton, ersetzen aber die Stimmen später durch professionelle Sprecher in der jeweiligen Sprache. Das ist flexibler und oft günstiger, besonders wenn Produktionsdetails im Fokus stehen.
Für den Schweizer Markt gilt: Split-Shooting ist oft die wirtschaftlichere Lösung, da Sie eine Production Crew haben und mehrere Sprachversionen nachverarbeiten.
3. Professionelle Synchronisation und Lokalisation
Die Audiopost-Produktion ist entscheidend. Eine gute Synchronisation bedeutet nicht einfach «sprechen», sondern:
- Lip-Sync-Anpassung (besonders wichtig bei Close-ups)
- Akustische Anpassung an den Originalton und die Umgebung
- Lokale Sprecher, die nicht nur die Sprache beherrschen, sondern auch den regionalen Ton treffen
- Soundmix für alle Versionen (damit Musik und Effekte gleichermassen funktionieren)
Für Produktvideos und Corporate Videos ist dies essentiell. Ein schecht synchronisierter Film mindert den Eindruck erheblich.
Budget und Zeitplanung: So sparen Sie wirklich
Viele Firmen rechnen mit 3x Kosten für 3 Sprachen. Das ist nicht korrekt. Mit durchdachter Planung liegen die Mehrkosten bei etwa 40–60 % der Originalproduktion:
- Drehkosten: Nur eine Produktion, eine Crew – keine Zusatzkosten
- Sprecher und Synchronisation: Drei Sprachversionen, ca. 30–40 % Aufschlag zum Original-Budget
- Soundmix und Finishing: Minimal höher (Master für alle Sprachen ist kosteneffizient)
- Zeitersparnis: 1–2 Wochen länger als eine einsprachige Produktion, nicht 3x so lang
Ein typisches Budget für ein Product Video mit professioneller Mehrsprachigkeit liegt zwischen CHF 25'000–50'000 je nach Komplexität und Dauer.
Praktische Tipps für die Umsetzung
Ob Sie ein Employer Branding Video oder eine Kampagne für mehrere Regionen produzieren – diese Punkte helfen:
- Lokale Sprachexperten früh einbinden: Nicht erst beim Schneiden, sondern schon beim Konzept.
- Testaufnahmen machen: Drehen Sie kurze Test-Takes in allen Sprachen, um zu prüfen, ob der Ton und der Rhythmus funktionieren.
- Die gleiche Licht- und Tonqualität sichern: Synchronisation funktioniert nur, wenn alle Aufnahmen technisch identisch sind.
- Subtitels als Mehrwert: Auch mehrsprachige Videos sollten mit Untertiteln in Deutsch und Französisch versehen sein – für Social Media, für Gehörlose und für Accessibility.
Besondere Anforderungen für die Schweiz
Der Schweizer Markt hat Besonderheiten: Es gibt keine «Standard-Schweizer Französisch» – die Westschweiz hat eigene kulturelle Codes. Gleiches gilt für italienischsprachige Regionen (Tessin). Die beste Praxis:
- Arbeiten Sie mit lokalen Produktionspartnern, die den regionalen Markt verstehen
- Nutzen Sie regionale Sprecher und Talent (authentischer, bessere Resonanz)
- Testen Sie die Versionen mit echten Zielgruppen in jeder Region
Unternehmen wie Philips und ON haben erkannt: Eine generische «Schweiz-Produktion» funktioniert nicht. Lokale Relevanz ist ein Ranking-Faktor – auch für SEO und für die Glaubwürdigkeit Ihrer Marke.
Nächste Schritte: Eine mehrsprachige Produktion starten
Wenn Sie bereit sind, Ihre Video-Inhalte für alle Sprachregionen zu optimieren, ist der erste Schritt ein strategisches Briefing. Hier klären Sie: Welche Regionen sind relevant? Welche Botschaften sind regional unterschiedlich? Welches Budget und welcher Zeitrahmen stehen zur Verfügung?
Mit einem kostenlosen Beratungsgespräch können Sie prüfen, ob eine mehrsprachige Produktion für Ihre Ziele sinnvoll ist. Wir helfen Ihnen, die richtige Strategie zu finden – und zeigen Ihnen, wie Sie mit einer Produktion vier Regionen effizient erreichen. Häufig gestellte Fragen zu Produktionsabläufen beantworten wir gerne auch schriftlich.